Ein Termin fürs Lavendelbad

Lavendelbad

Warum auch das Lavendelbad einen Termin braucht

Im Zeitmanagement ist ein wichtiger Grundsatz, dass man nicht nur seine Termine plant und in den Terminkalender einträgt, sondern auch seine Aufgaben. Denn alles, was keinen festen Platz in unserem Leben zugewiesen bekommt, läuft Gefahr, von den vielen anderen Anforderungen und Möglichkeiten, die der Alltag bereithält, verdrängt zu werden.

Wir Menschen sind so strukturiert, dass wir uns erst einmal auf das konzentrieren, was gerade unsere Aufmerksamkeit beansprucht. Und so ist es ein nahezu allgegenwärtiges Phänomen, dass wir Dinge vor uns herschieben, die nicht dringend erscheinen. Interessanterweise gilt dies nicht nur für die unangenehmen Aufgaben, sondern gerade auch für die schönen Seiten des Lebens.

Viele Menschen leben nach dem Motto, dass sie „nur“ noch diese Last bewältigen müssen, um dann Zeit zu haben für Spaß und Genuss und unterschätzen, dass das Leben nach jeder Last weitere Aufgaben bereit hält und wir, wenn wir nicht bewusst und aktiv die erfreulichen Tätigkeiten einbauen, nie zu diesen kommen werden.

Wie kurze Laufzeiten uns beflügeln

In diesem Zusammenhang bin ich letztens über eine interessante Studie gestolpert. Die Forscherinnen Suzanne Shu und Ayelet Gneezy hatten getestet, ob Geschenkgutscheine mit längerer oder solche mit kürzerer Laufzeit eher eingelöst werden. Das Experiment lief in zwei Stufen. Zunächst wurden Personen befragt, wie attraktiv sie einen Gutschein über 6,- € für Kaffee und Kuchen in einer Nobelbäckerei fänden und mit welcher Wahrscheinlichkeit sie ihn einlösen würden. Einziger Unterschied zwischen den Gutscheinen war die Laufzeit. Während der eine nur drei Wochen galt, gewährte der andere zwei Monate Zeit zum Einlösen. Erwartungsgemäß bewerteten die Befragten den Gutschein mit der längeren Laufzeit positiver. Auch gingen mehr Leute bei der längeren Laufzeit davon aus, dass sie den Gutschein einlösen würden.

Tatsächlich aber genossen fünfmal so viele Teilnehmer mit einem schnell verfallenden Geschenkgutschein ihren Kaffee und Kuchen im Vergleich zu jenen mit dem Gutschein mit langer Laufzeit. Um sicherzustellen, ob tatsächlich aufschiebendes Verhalten der Grund fürs nicht Einlösen war, führte das Forscherteam noch eine anschließende Umfrage durch. Diejenigen, die den Gutschein genutzt hatten, werteten die Erfahrung positiv. Diejenigen, die den langsam verfallenden Gutschein nicht eingelöst hatten, stimmten eher Antworten zu wie „Ich habe daran gedacht, dass ich das bald mal machen müsste“ oder „Ich hatte zu viel zu tun und habe die Zeit nicht mehr gefunden“, nicht aber anderen Erklärungen, wie „Ich mag keine Süßigkeiten“ oder „Die Sache erschien mir zu aufwendig“.

Wie du mit Plan zum Genießer wirst

Für unseren Alltag heißt das, dass wir gerade auch den schönen Dingen unbedingt Termine in unserem Leben geben sollten. Am besten funktioniert das in zwei Schritten. Mach dir im ersten Schritt eine Liste mit verschiedenen großen und kleinen Dingen und Aktivitäten, die dir Freude machen.

Frag dich:

  • Was macht mir Spaß?
  • Wobei vergesse ich auf angenehme Weise die Zeit?
  • Was sehe, höre, fühle, rieche, schmecke ich gern und was kann ich tun, um davon mehr zu erleben?
  • Wo fühle ich mich richtig wohl und was kann ich tun, um öfter dort zu sein?
  • Was tue ich so richtig gern?

Sammle auf die Art und Weise eine Reihe von angenehmen Aktivitäten: das Lavendelbad, den Milchkaffe in der Sonne (oder bei Regen eingekuschelt in deine Lieblingsdecke), das Schnuppern an Blumen oder Kräutern am Wegesrand, Wind in deinen Haaren beim Fahrradfahren, den Spaziergang im Wald, den Spieleabend mit Freunden, den Sauna-, Konzert-, Kinobesuch …

Im zweiten Schritt planst du jetzt pro Tag ein bis zwei kleinere und pro Woche ein bis zwei größere Aktivitäten von deiner Liste ein. So überlässt du es nicht mehr dem Zufall, ob dein Leben reich an schönen genussvollen Momenten ist. Und je mehr du bewusst zum Genießer wirst, umso mehr wirst du wahrscheinlich lustvolle Momente auch unbewusst anziehen. Denn wie schon eine alte hawaiianische Weisheit besagt: Energie flows where attention goes.

Lasst uns uns gegenseitig inspirieren. Welche großen und kleinen Freuden stehen auf deiner Liste?

 

 

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1 Antwort

  1. Annett Mönnich sagt:

    Das mit den Gutscheinen habe ich selber schon mehrfach so erlebt. Bei Gutscheinen mit längerer Laufzeit vergesse ich gelegentlich das Einlösen, ich sehe den Gutschein öfter, denke es hat ja noch Zeit und dann ärgere ich mich, plötzlich ist die Zeit abgelaufen. Ja, das liegt daran, weil man es immer vor sich herschiebt.
    Ich werde es mal mit der Liste,wie beschrieben; versuchen.

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